Interview mit der Köpenicker Seniorenzeitung

Seniorenpolitik

Für die aktuelle Ausgabe der Köpenicker Seniorenzeitung habe ich ein Interview gegeben. Die Fragen behandeln meine Kandidatur, die Sozial- und Rentenpolitik.

Frage: Herr Igel, Sie sind Kandidat der SPD für das Amt des Bezirksbürgermeisters. Was würden Sie im Falle Ihrer Wahl im Herbst anders beziehungsweise besser machen als Ihre Vorgängerin?

Zunächst: Nach zwei Jahrzehnten in politischer Verantwortung für Berlin – als frei gewählte Stadtverordnete, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Senatorin und Bezirksbürgermeisterin von Treptow-Köpenick hat sich Gabi Schöttler dafür entschieden, sich von politischen Ämtern zurückzuziehen. Ihre Arbeit verdient Respekt und gerade auch Dank aus unserem Bezirk. Gabi Schöttler hat in den letzten Jahren Akzente gesetzt: in der Förderung von Frauen, bei der Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit, bei der Sicherung des Stadions An der Alten Försterei und nicht zuletzt bei der guten Organisation der 800-Jahr-Feier von Köpenick. Ihre Entscheidung eröffnet aber auch die Chance für einen Generationenwechsel in der Bezirkspolitik. Er ist in der BVV bereits gelungen. Das neue Bezirksamt könnte eine gute Mischung aus neuen und erfahrenen Kräften, aus Jung und Alt werden. Ich würde dabei auch neue Akzente setzen, denn die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger haben sich gerade in den letzten Jahren weiterentwickelt. Dazu gehört, dass wir Politikerinnen und Politiker gut beraten sind, wenn wir uns von den Bürgerinnen und Bürgern mehr beraten lassen. Dieses Miteinander von Bürgerschaft, Politik und Verwaltung würde ich sehr gern neu und besser organisieren. Wir wollen den Bezirk gestalten, wir wollen Treptow Köpenick gemeinsam gestalten.

Frage: Vor einiger Zeit haben Sie sich mit Ihrem Antrag in der BVV, eventuell kommunale Seniorenfreizeitstätten freien Trägern zu übergeben, den Unmut vieler Nutzer dieser Einrichtungen zugezogen. Welche Vorstellungen haben Sie von den Wünschen und Bedürfnissen der Seniorinnen und Senioren in einer Gesellschaft, die immer älter wird?

In der Tat hat der von Ihnen genannte Antrag in der BVV für Aufregung gesorgt. Inhalt war, dass das Bezirksamt um ein tragfähiges Konzept für die künftige Struktur der Seniorenfreizeiteinrichtungen ersucht wurde, das der BVV vorzulegen wäre. Der Antrag wurde aber von vielen auch so verstanden, als würden schon bald die Einrichtungen an freie Träger übergeben. Davor hatten viele Angst, obwohl das Bezirksamt dies bereits 2003 mit einer Einrichtung getan hat. Sie arbeitet bis heute sehr erfolgreich im Bezirk. Der Antrag knüpfte an einen bereits einstimmig beschlossenen Antrag der BVV aus dem Jahr 2004 an. Die Stimmung war aufgeheizt, aber am Ende stand eine klare Botschaft der Bürgerinnen und Bürger: wir wollen die Seniorenfreizeitstätten in Trägerschaft des Bezirksamtes. Diese Entscheidung ist zu respektieren. Allerdings soll das keine Geringschätzung der Arbeit freier Träger in unserem Bezirk – sei es bei der Ehrenamtsagentur, der Schuldnerberatungen oder der Jugendfreizeiteinrichtungen – bedeuten. Was ich seinerzeit am Bezirksamt kritisiert habe, ist die Unklarheit: einerseits wurde gesagt, die Seniorenarbeit sei ausfinanziert, einen Monat später wollte dieselbe Bezirksamtsamtsabteilung aus Kostengründen eine Außenstelle des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes schließen. Wir sollten aber gerade nicht Generationen gegeneinander ausspielen. Und wir sollten bei der Finanzierung der Seniorenarbeit auch an diejenigen denken, die davon ebenfalls profitieren: die Wohnungsgesellschaften und Krankenkassen. Wer regelmäßig in den Seniorenfreizeiteinrichtungen aktiv ist, mit anderen in Kontakt ist, die Gemeinschaft genießt und sich damit auch geistig und körperlich fit hält, der wird weniger krank, verursacht geringere Krankenkassenkosten, bleibt länger in seiner häuslichen Umgebung und damit guter Kunde oder Kundin der Wohnungsgesellschaft. Viele Wohnungsgesellschaften haben deshalb zusätzlich selbst kleine Senioreneinrichtungen eröffnet. Aus dieser – auch finanziellen – Verantwortung sollten wir sie nicht entlassen. Wir brauchen diese Einrichtungen, um einer möglichen Vereinsamung von Menschen entgegenzutreten. Seniorinnen und Senioren sind aber auch selbstbewusst. Das ist gut so. Sie möchten selbst ihre Freizeit gestalten, wollen sich einbringen, ja auch anderen helfen und sich für die Gesellschaft einsetzen. Das sollten wir weiter unterstützen.

Frage: Ein selbstbestimmtes Leben im Alter muss auch finanzierbar sein. Die gegenwärtige Rentengesetzgebung gewährleistet das in zunehmenden Maße nicht. Eine Angleichung der Rentenwerte in Ost und West könnte diesen Prozess wenigstens bremsen. Wenn Sie das auch nicht unmittelbar beeinflussen können, wie denken Sie darüber?

1989 war ich elf Jahre alt. In dieser Frage – der Rentenfrage – fühle ich mich als der letzte Ossi. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass ich – der 1990 noch nicht einmal die Schule beendet hatte – nach meinem späteren Studium über viele Jahre nur ein Ost-Gehalt bekomme. Ich habe wohl einfach im „falschen“ Teil der Stadt gearbeitet – oder komme daher. Deshalb kann ich gerade Rentnerinnen und Rentner im Ostteil Deutschlands verstehen. Sie sind über die noch immer fehlende Angleichung der Rentenwerte frustriert. Es geht vielleicht gar nicht so sehr um das Geld – es geht darum, welchen Stellenwert man als Mensch in dieser Frage erfährt. Die ungelöste Rentenfrage zwischen Ost und West ist auch ein Symbol dafür, wie lange – zu lange – politische Prozesse dauern, wie kompliziert sie sind. Klar ist, dass die von vielen – heutigen Arbeitnehmern und heutigen Rentnern – empfundene Ungerechtigkeit so beseitigt werden muss, dass eine für alle gerechte Sache herauskommt.

Frage: Wie würden Sie den Platz Treptow-Köpenicks in der Gemeinschaft der Berliner Bezirke beschreiben?

Danke für die freundliche Abschlussfrage. Wir können wirklich glücklich aus Treptow-Köpenick zu unseren näher oder weiter entfernten Nachbarn schauen. Im Vergleich zu anderen Bezirken haben wir in Treptow-Köpenick eine höhere Lebenserwartung, die Menschen leben hier gesünder und länger. Treptow-Köpenick ist einer der wenigen Zuzugsbezirke. Hier möchten viele leben, und zwar sehr lange. Einige kommen auch nur kurz: Erholungssuchende aus Nah und Fern. Wir haben Touristen eine Menge zu bieten: Natur, Geschichte, Kultur – und die Menschen in unserem Bezirk. Das gilt es zu bewahren. Anders ist es mit der Arbeitslosigkeit: Wir haben zwar eine niedrigere als anderswo, aber diese Zahl ist noch immer zu hoch. Wir dürfen nicht vor möglicherweise kommenden Problemen die Augen verschließen: Wir müssen den sozialen Zusammenhalt in den Ortsteilen absichern. Es dürfen sich nicht Gebiete mit rein schlechterer Sozialstruktur entwickeln. Da müssen wir mit Beratung und sozialen Angeboten eingreifen. Treptow-Köpenick kann mit den positiven Ausgangsdaten ein Vorbild für andere Bezirke sein, wenn wir als Pilotbezirk Konzepte umsetzen, wie der demografische Wandel beim Wohnen, bei Freizeitaktivitäten, im Nahverkehr, in der Kultur und im Gesundheitswesen gestaltet werden kann. Auch hier gilt es dies gemeinsam zu tun – eng mit Betroffenen und anderen Experten zusammenzuarbeiten.

 
 
 

 

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