Flaschenpost von einem Sozi

Geschichte

Richard Platz ist 1926 in Treptow in die SPD eingetreten. Auszug aus seinem Mitgliedsbuch.

Im Frühjahr ging die Geschichte um die Welt: die älteste Flaschenpost der Welt ist nach 101 Jahren angekommen. Ein Fischer zog aus der Kieler Förde den Beifang aus seinem Netz und hielt die Flaschenpost in der Hand. Die Bierflasche enthielt eine Karte, in der der Absender darum bat, sie an seine Berliner Adresse zurückzusenden. Diese Karte erreichte wenig später die Enkelin des Absenders: Angela Erdmann. Und der Flaschenpostabsender war Richard Platz. Jetzt wurde bekannt: Richard Platz lebte nicht nur in Treptow – er war auch Sozialdemokrat.

Richard Platz (1892-1946) war Sohn eines Bäckers in Baumschulenweg. Von 1915 an lebte Platz mit seiner Familie in der Bulgarischen Straße 56 (damals noch Parkstraße) in Plänterwald. Seine Enkelin Angela Erdmann lebte dort bis 1960. In den dreißiger Jahren arbeitete Platz bei der Reichskulturkammer. Seit 1934 war er als Schriftsteller unter dem Pseudonym Riedel Platz tätig und schrieb unter anderem Reiseberichte.

Ein Familienforscher hatte sich der Flaschenpost angenommen und hatte Angela Erdmann ausfindig gemacht. Inzwischen ist sie von dieser Familiengeschichte so fasziniert, dass sie ein Buch über die Geschichte ihres Großvaters schreiben will und dafür Dokumente sucht. Sie selbst hat bereits einige Dinge ihres Großvaters zusammengestellt und Originaldokumente gesichtet, die auch einen kleinen Einblick in die Geschichte der SPD in Treptow bieten. Demnach ist Richard Platz am 1. März 1926 in die 101. Abteilung Treptow der SPD eingetreten. Das geht aus seinem erhaltenen Mitgliedsbuch hervor, das auch die Beitragsmarken bis Ende 1932, also kurz vor dem Verbot der SPD, enthält. Interessant sind die Extra-Beiträge, die Richard Platz regelmäßig für die SPD und die Maifeiern leistete und dafür teils künstlerisch gestaltete Beitragsmarken erhielt. Richard Platz verbreitete auch SPD-Flugblätter und bekam hierfür ebenfalls als Beleg Marken für das Mitgliedsbuch. Über sein Engagement als Sozialdemokrat in Treptow gibt es darüber hinaus bisher keine Informationen. Seine Enkelin Angela Erdmann hat sich aber auf die Suche nach mehr Hinweisen aus dem Leben von Richard Platz gemacht. Sie freut sich über jede Idee, wie sie fündig werden könnte. Vielleicht erfahren wir dann auch noch mehr über die Geschichte der Treptower SPD in den zwanziger Jahren.

Weitere Informationen sind hier zu finden: http://flaschenpost.ibk.me/

 
 
 

 

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