Verunsicherung am Müggelsee

Umwelt

Schon lange werden rund um die Rahnsdorfer Inseln Vögel in eigenen Schutzgebieten geschützt. Das soll auch so bleiben.

Nicht erst seit der Debatte über die Unterschutzstellung des Müggelsee und von Uferbereichen als Landschafts- oder Naturschutzgebiet herrscht Verunsicherung bei all denjenigen, die den Müggelsee nutzen: seien es die Wassersportler, ob motorisiert oder nicht, die privaten Anlieger, die Wirtschaftsunternehmen wie Bootshäusern zum Beispiel. Wettkämpfe, Trainings, Veranstaltungen oder die schlichte Freizeitgestaltung – all das schien und scheint in Gefahr. Kommt der Mensch nicht mehr zur Natur im Namen des Naturschutzes?

Aus Verunsicherung wächst zurecht rasch Protest, dem nur mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und vielen Informationen begegnet werden kann. Das ist nicht immer gelungen. Inzwischen ist die Unterschutzstellungsverordnung in Kraft – und das nächste Thema droht bereits zu explodieren: die Steganlagenkonzeption wird für Treptow-Köpenick erarbeitet und wieder geht Angst um: wird mein Sportvereinssteg weiter bestehen dürfen und auch der lange gepflegte Steg – und wenn ja: wie lange habe ich Sicherheit?

Die Menschen rund um den Müggelsee und darüber hinaus lieben die Natur und erholen sich hier in dem Wissen darum, dass genau diese Landschaft mit Tier- und Pflanzenwelt erhalten bleiben muss. Doch es kommen Zweifel auf, ob der Mensch noch seinen Platz behalten darf. Niemand will Mensch gegen Natur gegeneinander ausspielen, aber das Gefühl ist verbreitet, dass der Mensch als Wassersportler, Erholungssuchender oder Bewohner zurückgedrängt werden soll. Das wurde in einer Gesprächsrunde in Rahnsdorf auf Einladung des Bezirksbürgermeisters und SPD-Kreisvorsitzenden Oliver Igel deutlich. Die Angst geht insbesondere auf den Inseln Dreibock, Kelchsecke und Entenwall um. Die Inseln – das liegt in der Natur der Sache, wenn es keine Brücke gibt – sind nur über Stege erreichbar. Fallen die Stege weg, sind die Inseln für den Menschen nicht mehr zu betreten. Das Misstrauen sitzt tief, dass hinter Unterschutzstellung des Müggelsees und neuer Steganlagenkonzeption genau das am Ende das Ergebnis sein könnte. Und dagegen kämpfen die Insulaner an.

Erster Kritikpunkt ist die mangelnde Information. Die Beteiligung an offiziellen Gesprächsrunden musste immer wieder erkämpft werden und wird häufig nicht oder nur halbherzig umgesetzt. Und dann herrscht das Gefühl vor, andere Teile des Bezirks oder des Müggelsees würden anders, besser behandelt. Das kann man nur im Dialog mit den Fachleuten besprechen und ausdiskutieren, bestenfalls ausräumen. Doch dazu muss es das ernsthafte Gespräch geben. Für die Gespräche sind einerseits die Senatsumweltverwaltung und andererseits das bezirkliche Umweltamt zuständig. Das eine Haus wird von Grünen geführt, das andere auf Bezirksebene von der AfD. Transparenz und Bürgerbeteiligung wird in beiden Fällen in der Praxis nicht bemerkt. Und so besteht die Befürchtung, im Hintergrund werde statt einer Steganlagenkonzeption eine „Rückbaukonzeption“ erarbeitet. Wer sich Auskünfte beim zuständigen Umweltamt erobern will und eher bürgerunfreundliche Antworten erntet, wird mit der Empfehlung quittiert, man könne doch klagen. Das wiederum ist eine Kapitulation aller Beteiligten und kann nicht gemeinsames Ziel sein. Ziel sollte es deshalb sein, bestehende Stege, die oftmals sogar einen Beitrag zur positiven Entwicklung der Natur geleistet haben, zu erhalten und den Nutzerinnen und Nutzern eine Sicherheit zu geben. Das wäre im Interesse aller Beteiligten. Geprüft werden sollte ebenfalls, inwieweit die Befristung von Genehmigungen für Stege aufgehoben oder auf jeden Fall auf einen längeren Zeitraum erweitert werden könne. Und wer ernsthaft für Umwelt- und Naturschutz kämpfen will, der muss sich auch um zu schnelle und zu laute Motorboote und den Ausstoß von zu hohen Konzentrationen von Rußpartikeln kümmern.

Kaum zu erklären ist in den Diskussionen mit Bürgerinnen und Bürgern am Müggelsee, wie auf der einen Seite über den See die Möglichkeit zum Überfliegen mit Flugzeugen in geringer Höhe gewährt wird – mit allen umweltschädlichen Auswirkungen, aber am Ufer und an der Wasseroberfläche strenge Naturschutzmaßstäbe angesetzt werden sollten, die doch vom Flugverkehr konterkariert werden.

Viele Sorgen wurden in dem Dialog bei den Rahnsdorfer Seglern angesprochen, einige blieben vielleicht noch unausgesprochen und doch: wer keine Fragen aufwirft, wird keinen Weg zu Antworten finden. Der Erhalt der Bestandsstege und des Status als Bundeswasserstraße, die zwingenden Gremienbeteiligung von Betroffenenvertretern sowie gesetzliche Klarstellungen sind wichtige Anliegen, die auch von der SPD Treptow-Köpenick in den kommenden Monaten mit ihren politischen Möglichkeiten diskutiert werden sollen.

Der Dialog muss fortgesetzt werden – und im Sommer nächsten Jahres soll auch diese öffentliche Veranstaltung wiederholt werden, um zu sehen, ob Vertrauen zurückgewonnen werden konnte und ein Stück mehr Sicherheit für alle diejenigen erreicht werden konnte, die Natur und Umwelt des Müggelsees nicht nur lieben, sondern auch aktiv erleben wollen.

 
 
 

 

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